Sonntag, 13. Dezember 2009

Das Mädchen

[Den folgenden Text habe ich im Sommer geschrieben, dann ist er in Vergessenheit geraten. Jetzt habe ich ihn wiedergefunden und weil ich die Situation noch so gut erinnere, poste ich ihn heute:]

Juni. Wir stehen an der Ampel, Li zermanscht im Kinderwagen ihr Brötchen und bewundert die vorbeibrausenden Autos "bwwww, brrrr, da! Ja?". Ja. Ein vielleicht 8, 9 Jahre altes Mädchen im geblümten Sommerkleid stellt sich neben uns, beugt sich über den Kinderwagen, um zu sehen, was Li da in der Hand hält. Bückt sich anschließend und schaut in den Kinderwagen-Korb, in dem sich die zum Brötchen gehörende Bäckertüte befindet. "Isst die Kleine was aus der Tüte?" [Oh Gott, das Kind hat bestimmt Hunger, sieht ja auch so schmal aus. Wobei, ich bin selber schmal und war es auch immer. Verhungert sieht es eigentlich nicht aus. Verwahrlost auch nicht]. "Ja, das ist aber nichts Tolles. Nur ein trockenes Brötchen." "Oh, Brötchen liebe ich auch so sehr!" [Altmodische Ausdrucksweise, vielleicht wächst sie bei ihren Großeltern auf]. "Möchtest Du denn ein Stück Brötchen haben?" "Oh ja, bitte!" Ich gebe ihr ein Viertel und sie strahlt mich an und bedankt sich artig. "Hast Du denn heute schon zu Mittag gegessen?" [Bitte, lass sie "ja" sagen!] "Ja, aber nur einen klitzekleinen Teller voll". [Gab es nicht mehr oder hat es nicht geschmeckt?] Die Antwort bleibt sie uns schuldig.

Und zurück bleibt ein seltsames Gefühl im Bauch.

1 Kommentare:

Valrike hat gesagt…

Das klingt schon ein wenig unheimlich...